Evangelische Kirchgemeinde Rehna - Kirch Grambow - Meetzen

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Pilzrückschau auf die Jahre 2015 und 2016

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Pilzrückschau auf die Jahre

2015 und 2016

(etwas schräg)


 


Gott, der Herr, spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“

(Offenbarung des Johannes 21.5)


 

 

 

Rückblick auf die etwas schrägen Pilzjahre 2015 und 2016

Nachdem ich bei der Rückschau auf 2014 aus Hunderten von Fotos auswählen konnte, fanden sich für das Jahr 2015 lediglich 25 brauchbare Bilder. Das Jahr 2016 war schon wesentlich besser. Für beide Jahre zusammen lohnt es sich nun auf jeden Fall zu schreiben und zu dokumentieren. Neben dieser Fassung gibt es wieder eine reine Diaschau. Gerne bin ich bereit, diese Materialien auszuleihen.

Schräg waren die beiden Jahre schon durch lang anhaltende Trockenperioden. Im Sommerurlaub 2015 sah man auch nach Regengüssen keinen Pilz mehr; die Myzelien schienen im Erdboden vertrocknet zu sein.

Aber die Pilzwelt ist ebenfalls schräg und bricht alle Rekorde. Natürlich hat sich alles wieder erholt und ist neu geworden - dazu passend der Bibelspruch „Siehe, ich mache alles neu.“. In Zeiten des kalten Krieges las ich in einer Zeitschrift, dass, wenn die Atomwaffen das Leben der Erde auslöschen würden, es dennoch sehr wahrscheinlich wäre, dass in den tiefsten Tiefen der Ozeane Pilzsporen das Inferno überleben würden und letztlich Quelle neuen Lebens auf unserer Erde werden würden.

Das ist natürlich ein klein wenig dick aufgetragen, denn Quelle des Lebens kann nur der oder das sein, was Leben zu schaffen vermag, diese unfassbare Energie und Systematik, die wir GOTT nennen.

Aber immerhin. Pilze sind schon irgendwie die heimlichen Herrscher in der Natur. Und sehen sie nicht tatsächlich aus wie überirdische Aliens?

Diese netten und recht seltenen Ulmenraslinge (Lyophyllum ulmarium) fand ich im Herbst-Urlaub bei Magdeburg. Sie haben schön festes und schmackhaftes Fleisch, diese Kerlchen, ob irdisch oder zugereiste Aliens.

Pilze: Ausgangslebewesen für neues Leben? Zumindest bereiten sie als Recyclingkolonne alles vor, dass immer wieder neues Leben - ob Pilz, Pflanze, Tier oder Mensch - entstehen kann und nicht alles im Biomüll erstickt. Aber noch ein Aspekt: Ich las neulich in einem DDR-Naturbuch folgenden Absatz über den Riesenbovisten:

„… wird die erzeugbare Gesamtsporenmenge beispielsweise auf 7,5 Billionen geschätzt.

Um diese unvorstellbar große Zahl zu verdeutlichen, wurde einmal errechnet, dass hieraus

schon in der zweiten Tochtergeneration eine Pilzmasse hervorgehen würde, die 800mal

größer als die Erde wäre, wenn sich jede Spore zu einem Fruchtkörper entwickeln könnte.“

„Begegnungen in heimatlicher Natur“ Band 3, Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin 1972

 

Langermannia gigantea, vorjähriger Fruchtkörper

Hier nun mal ein Bild von einem alten Fruchtkörper. Frische weiße Exemplare sind in den Ausgaben der Vorjahre genügend zu finden.

Generell werde ich weitgehend darauf verzichten, schon einmal vorgestellte Pilzarten erneut zu zeigen und zu beschreiben. Es sei denn, es erscheint mir lohnend, neue und bessere Fotos zu präsentieren oder neue Erkenntnisse loszuwerden … Oder ich wiederhole eine Art einfach,

weil dann doch die Verliebtheit zu ihr mit mir durchgeht. Nach den Ulmenraslingen und dem Langermannia (der Name hat nichts mit langen Germanen zu tun, sondern mit Herrn Langermann, dem Erstbeschreiber - schätze ich jedenfalls) geht es nun aber alphabetisch weiter.


Agaricus arvensis - Schafchampignon, Weißer Anisegerling

 


Diesen schon im vorigen Jahresrückblick vorgestellten Pilz kann ich nun immerhin ausschnittsweise als Hexenring zeigen. Mindestens 16 Exemplare zähle ich auf dem oberen Foto - und genau so haben sie auch gemundet!

Wenn es hier nun schon um Champignons geht, dann waren ohne Zweifel aber der oder die Knaller die wiedererstandenen Wiesenchampignons!


Agaricus campestris - Wiesenchampignon

Schon 2015 konnte ich einige dieser Pilze, aus denen zwar nicht Träume gemacht sind, dafür aber unheimlich viele Erinnerungen, finden, putzen und genießen. Auch notierte ich mir gleich, wie toll die doch schmecken. Tatsächlich schien diese Art seit der Wiedervereinigung fast ausgestorben zu sein und nur auf sehr wenigen privaten, naturnahen Wiesen überlebt zu haben. Seit meiner Kindheit habe ich sie nie wieder gefunden. In den Pilzrückschauen der vergangenen immerhin 10 Jahre kommen sie nicht vor - dagegen allerhand andere Arten der Familie wie der äußerst seltene Salzwiesenegerling.

Der Knaller kam dann im Herbst 2016, als ich in einer halben Stunde auf einer dicht bei unserem Haus liegenden Wiese etwa 150 Wiesenchampignons einsammeln konnte, auf einer Fläche, die nicht größer als 15 x 30 Meter war!

Solch grandiose Ausbeute hatte ich selbst in meiner Kindheit nicht, als wir in den Ferien als Kinderschar regelrecht Chamignon-Such-Olympiaden machten.

Für diese gelungene Sammelaktion gab es übrigens nicht nur Lob, sondern auch Schimpfe, die ich aber gelassen erdultete. Ich hatte sie nämlich direkt nach dem sonntäglichen Gottesdienst auf dem Heimweg geerntet. Dabei war abgemacht, dass ich gleich nach Hause komme, da ein Enkelchen zu hüten war.

Wäre ich jedoch am Nachmittag losgezogen, wären mir sicherlich andere Pilzliebhaber zuvor gekommen und ich hätte das Nachsehen gehabt. Jedenfalls wurde meine Radikal-Ernte am nächsten Tag in der Zeitung erwähnt und eben, dass andere Pilzfreunde nun das Nachsehen hatten. Tut mir auch leid, aber zuweilen können Pilze wie Drogen wirken.

 


 

 


 

 


Natürlich besah ich mir diese Pilze ganz genau, nachdem ich sie Jahrzehnte lang vermisst habe (andere übrigens auch; immer, wenn ich irgendwo auf mein Hobby zu sprechen kommen, heißt es: „Ja, früher, da haben wir auch immer Pilze gesammelt - Champignons, hier gleich auf den Wiesen!“).

Deutlich ist die Neigung dieser Art zu röten. Das erzählte ich auch meinem Vater, der mir eine Woche später seinen vollen Champignonkorb präsentierte - alle Pilze schon schön geputzt, jedoch nicht rötend, sondern gilbend. Es waren dann auch leider die giftigen. Und die wuchsen gleich auf der Wiese nebenan.

 


Hier noch ein Merkmal, das Vorkommen von braunen Varianten, wie man es vom Supermarkt-Champignon (Zuchtchampignon, Agaricus bisporus) kennt.

Von unten sind beide Fruchtkörper, wie man sieht, völlig gleich.


Armillaria mellea - Honiggelber Hallimasch

Enkelin Sophia (gerade 3 geworden) bei der Hallimasch-Ernte

Nachdem aufgrund anhaltender Trockenheit im Sommer 2016 keine Pilze zu finden waren und wir sogar die Tage der Pilze nach hinten schieben mussten, fanden wir jedoch im Pfarrgarten nach Hinweisen von Familie Ortlieb in Rehna schon Mitte September etliche, z.T. sogar schon überständige honiggelbe Hallimasche. Da füge ich gleich mal eine Notiz aus 2015 ein:

8. März: Geburt von Hannah; Sophia kann die Worte Baby, Papa, Kita, Ball und Pilz“

Da war Sophia anderthalb Jahre jung - und schon so schöne Worte!

Die Art wird auch „Langstieliger Hallimasch“ genannt.


Boletus erytropus - Flockenstieliger Hexenröhrling

Hier haben wir schon eine Ausnahme, denn diesen Pilz habe ich schon des Öfteren gezeigt. Aber er gehört nun mal zu unseren Lieblingspilzen. Außerdem sind nun mal bunte Pilze dran. Und noch außerdemer ist es der einzige Pilz, den ich schon gegossen habe, damit der wächst und gedeiht. Das lag nahe, denn im ach so trockenen Sommer (war es nun 2015 oder 2016 - egal) musste ich sowieso mehrmals nach Roggendorf fahren, um Blümchen auf Gräbern zu gießen. Da entdeckte ich trotz Wüstenbedingungen einige kleine Hexen, die unbedingt ans Licht der Welt wollten. Also munter gegossen und ein paar Tage danach genossen!


Boletus radicans - Wurzelnder Bitterröhrling

Auch dieser Pilz hat es nur durch einen besonderen Umstand geschafft, in dieses Essay zu gelangen, da er schon 2010 ausführlich vorgestellt wurde.

Pilzdiakon Matti mit einem halben Boletus

Aber er hat es geschafft, mich an der Nase herum zu führen. Der zweite Grund ist der, dass ich als Autor dieses Werkes auch mal zu sehen sein muss!

Zurück zum Grund Nummer 1. Wir hatten Onkel Manfred zum Pilze-Sammeln eingeladen. War nicht so doll. Am Ende der Veranstaltung legten wir unsere Funde zu seinen und wünschten gute Heimreise und guten Appetit - hat eben nur für ein Mittagessen gereicht. Sekunden später wollten wir ihn zurückrufen, um ihm stolz unseren Mega-Steinpilz zu präsentieren, aber zu spät.

Beim Putzen kamen die Zweifel, denn der Schlingel verfärbte sich blau. Pilzbücher wurden gequält. Aber keine Art vereinte alle Merkmale dieses Giganten mit seinem Hutdurchmesser von 25 cm. Immerhin konnte ich alle giftigen Arten ausschließen. Also wurde er zubereitet, jedenfalls erst mal eine Hälfte. Ergebnis: total bitter. Alles klar: ein wurzelnder Einzelkämpfer, der bitter geworden ist im Kampf mit der Trockenheit. Sonst in Gruppen oder sogar büschelig wachsend und nicht so groß werdend habe ich den Schlingel nicht erkannt - jedenfalls nicht gleich.


Brefeldia maxima

Dieses Foto gab es schon mal im letzten Pilzjahresbericht. Aber ich hatte den Auftrag aufzupassen, was aus diesem seltenen Schleimpilz wird. Dazu erst noch mal eine Detailaufnahme aus 2014.

Das Bild ist so schön, das kann nicht von mir sein. Torsten hat es gemacht. Mal sehen, was meine neue Kamera so schafft. Es ist zwar nur eine kleine Pocket-Kamera, aber eine hoch wertige. So hoffe ich, dass ich sie bei Bedarf immer dabei haben werde.

Nun das Ergebnis: 2015 fand ich nur noch diese Rudimente. Dann war leider Schluss. Der Schleimer ist auf und davon gekrochen. Good bye!


Bulgaria inquians - Schmutzbecherling

Dieser Becherling ist zwar nicht essbar, aber einen netteren Namen hätte man ihm schon geben können. Er ist schön schwarz glänzend und in Konsistenz und Aussehen mit Lakritz verwand. Außerdem er- innert er mich das Schwarze Meer.


Coprinus picaceus - Specht-Tintling

 


 

 


Der Specht-Tintling gilt zwar nicht als essbar, aber er ist hübsch anzuschauen

(„Nicht schlecht!“ - sprach der Specht). Tatsächlich erinnert er an das Gefieder mehrerer Spechtarten, nur ein paar rote Kleckse stünden ihm noch gut.

Wie alle Tintlinge ist er schnell vergänglich und daher selten auf Pilzausstellungen zu sehen; dafür regelmäßig im Wald.


Coprinus micaceus - Glimmertintling

Giftig in Verbindung mit Alkohol, aber ein Trost in pilzarmen Zeiten. Schon im April oder März 2016 fand ich diese Pilzchen.


Conocybe lactea - Milchweißes Samthäubchen

Keine Ahnung, wie dieser Tintling genau heißt; es gibt etwa 100 Arten.

Einige sind auf ganz spezifisches Substrat angewiesen, z.B. Wildschweinkot oder sonstigen speziellen Kot. Es gibt Spezialisten, die besorgen sich sogar exotischen Kot aus dem Zoo und warten dann gespannt das Ergebnis ab.

Diese zarten Copri-Nüsse wuchsen auf unserem Rasen - vielleicht sind es ja Maulwurfkot-Tintlinge? Nein, ich habe falsch geraten. Torsten berichtigt mich beim Korrektur-Lesen. Dieses Pilzchen gehört zu den Mistpilz-Verwanten. Na ja, da lag ich doch dicht daneben oder?


Crepidotus mollis - Gallertfleischiges Stummelfüßchen

Ich hoffe, dass solch unscharfe Fotos nicht mehr vorkommen mit der neuen Kamera. Die ist besonders lichtstark, was im dunklen Wald und auch in dunklen Kirchen von großem Vorteil ist. Aber diese Art war in meinen Werken noch nie vertreten, also kommt sie hier rein.

Außerdem ist das vorige Foto ein Beleg dafür, dass ich fleißig zu den Pilzausstellungen mit beigetragen habe. 2015 habe ich immerhin die größten Pilze geliefert: einen Schuppigen- und einen Schwefelporling; und 2016 auf jeden Fall einen der schönsten - den „Strahlenden Schillerporling“, wie er dort genannt wurde (S. weiter unten).


Flammulina velutipes - Samtfußrübling, Winterpilz

hier ein Büschel von unten

Wieder ein Pilz, der schon öfter mal in meinen Rückblicken auftauchte. Aber er erfreut mich auch immer wieder. So fanden meine Frau und ich eine ganze Menge dieser leckeren orangen Leuchtkörper Ende Januar 2016 im Moor.

Pilze muss man ja nicht immer braten. Bei wohl jeder Pilzvereinsversammlung gibt es leckere Pilzsuppe. Und auch der 19. Geburtstag des Kirchenchores wurde 2015 reichlich mit Pilzsuppe begossen.


Fomes fomentarius - Zunderschwamm

Weiter geht es mit holzbewohnenden Pilzen. Der Zunderschwamm diente nicht nur zum Feuer entfachen oder als Lederersatz für Hüte und Westen. Er kann auch ein schützender Unterstand bei Regen sein. Enkelin Sophia schaut nach der Entdeckung dieser Allwetterschirme immer noch ganz verklärt.


Fomitopsis pinicola - Rotrandiger Baumschwamm

Einfach eine Zierde! Der rote Rand ist hier noch mal von einer weißen Zuwachszone gerandet.

Eigentlich reicht diese naturelle Zierde aus, aber die neuen tierischen Gartenleuchten wollten auch mal auf’s Foto.


Geastrum fimbriatum - Fransiger Erdstern

Erdsterne fand ich bislang nicht so häufig, aber immerhin.


Grünling - Chloris chloris (auch Grünfink)

Wenn ich schon den Milchling gleichen Namens nicht finde, da er nur in sandigen Kiefernwäldern vorkommt (außerdem gilt er seit einigen Jahren als möglicher Weise giftig), dann kommt hier eben der andere Grünling rein! Zudem hat er auch noch einen netten lateinischen Namen, stimmt’s?


Hebeloma sinapizans - Großer Rettichfälbling, Flockenstieliger Rettichfälbling, Tongrauer Tränenfälbling

Da haben wir gleich drei deutsche Namen dieses Fälblings. Immerhin ergeben sich in der Summe mehrere Eigenschaften des Pilzes. Und die gesamte Familie der Fälblinge heißt im Englischen poison cake = Giftkuchen. Also nicht zu gebrauchen. Immerhin lässt sich der lateinische Familienname gut merken:

hebeloma = Hebel-Oma (was auch immer das für eine Großmutter sein mag).


Heterobasidion annosum - Gemeiner Wurzelschwamm

Der Kerl ist wirklich gemein, zerstört er doch nach und nach den Baum!

Er war im vorigen Bericht schon einmal vertreten, dort aber als Jugendlicher.


Hypholoma latericium - Ziegelroter Schwefelkopf

Endlich habe ich mal Fotos vom größten und schönsten der Schwefelköpfe geschossen. Seine bekannten kleinen Geschwister sind der überall und immer wachsende Grünblättrige S. (giftig) und der schmackhafte Rauchblättrige S.

Wie gesagt - dieser ist der schönste. Und ich möchte wetten, dass er wohl etwas bitter und vielleicht sogar etwas giftig ist, in Notzeiten würde ich ihn aber als Speisepilz ansehen (Bittere Zeiten - bittere Pilze.)


Inonotus radiatus - Erlen-Schillerporling, Strahlender Schillerporling


Pilze für unsere große Pilzausstellung zu sammeln, das war dieses Mal - was die körperliche Anstren-gung anging, das Absägen und Transportieren eines immerhin oberschenkelstarken Baumstammes, welchen ein wirklich schillernder Schillerporling schmückte.

Dazu ist anzumerken, dass es sich bei den Werkzeugen um eine sehr kleine Gärtnersäge und um einen einfachen Handwagen handelte.

Zum Glück waren wir - zwei Schüler und ich - ein gutes Team. Wir haben uns bei der Arbeit abgewechselt. Aber eine knappe halbe Stunde hat das Sägen wohl gedauert. Und den Handwagen bis auf den Waldweg zu bugsieren, war auch alles andere als einfach. Eigentlich haben wir dafür einen Preis verdient.


Kuehneromyces mutabilis - Gemeines Stockschwämmchen


Wenn für die Tage der Pilze gesammelt wird, ist die Bratpfanne fast tabu. Aber hinterher kam auch dieses Mal die Belohnung. In den Herbstferien fuhren wir mit den schon erwähnten Wiesenchampignons zur Schwester meiner Frau nach Oschersleben. Dort sammelten wir dann die ebenfalls schon genannten Ulmen-Raslinge, die hier abgebildeten Stockschwämmchen, Täublinge, Weißstielige Stockschwämmchen und weiteres Allerlei. Wenn auch hier nicht beschrieben (jedoch in 2012), so siegte bei mir die letztere Art. Meiner Liebsten mundeten jedoch die „normalen Stockschwämmchen“ am meisten. Wie angedeutet, berei-teten wir mehrere unterschiedliche Pilzgerichte. Das originellste war sicherlich ein Omelette mit Flaschenstäublingen (s. Seite 26).


Lacrymaria lacrymabunda - Tränender Saumpilz

Jetzt kommt mal ein peinlich unscharfes Foto. Immerhin: eine Art mehr aufgelistet. Essbar!


Laetiporus sulphureus - Schwefelporling

Auch dieser tolle Pilz - wie er in natura aussieht, entnehme der geneigte Leser einer meiner älteren oder ganz anderen Quellen - taucht fast in jedem meiner Jahresberichte auf. In diesem Falle rettete er die Tradition eines Pilz-Freundschaftstreffens. In der Regel besuchen unsere mit uns verwandten Freunde Birgit und Ralf uns ein bis zwei mal jährlich in Erwartung eines monströsen Pilz-Wochenendes. Was man nie zu denken gewagt hatte, traf dann im letzten Jahr ein: weit und breit kein Pilz! So sagten wir ab und kündigten einen Besuch unsererseits an mit Notprogrammvorschlägen wie Holunderbeeren-Pflücken und so weiter. Just einen Tag vor Reiseantritt klingelte das Telefon und unser Friedhofwärter wies mich auf einen frischen Schwefelporling auf dem Acker hin (genauer gesagt: auf dem Gottesacker; dieser ist übrigens Dank seiner vielen immergrünen Pflanzen wohl der lebendigste Ort unseres Städtchens: Insekten, Spinnen, Vögel, Eichhörnchen, nicht zuletzt immer auch Begegnungsstätte von Menschen). Ein frischer Schwefelporling Ende September ist selten. Ein frischer Schwefelporling Ende September nach einer gefühlten mehrjährigen Trockenperiode ist sehr, sehr, sehr selten. Und ich kannte die Fundststelle bis dato nicht einmal - noch seltener!

Also fuhren wir mit einem Eimer voller Schwefelporlings-Scheiben nach Rostock. Danke, lieber Mario!

Rezept: Den Pilz in 1 - 2 cm dicke Scheiben schneiden; diese säubern, dann 10 min in gesalztem Wasser kochen; nach Abkühlung panieren und braten = Schwefelporlings-Schnitzel, erinnert an Geflügel.

Angelika und Ralf beim dennoch durchgeführten Notprogramm: Holundersaft herstellen. Außerdem ernteten wir ein paar Kilogramm Schlehen, aus denen wertvoller Schlehenlikör wurde. Aber das tut hier nichts zu Sache.

Ein anderes Pilzerlebnis mit Birgit und Ralf wird mir unvergessen bleiben. Und das noch im schlechtesten Pilzjahr aller Zeiten, wie man neudeutsch sagt (welch Blödsinn: ALLE Zeiten kennt nur Gott, vielleicht noch die Pilze).

Am 26. September 2015 fand ich endlich, nach fast 51 Lebensjahren, eine Rotkappe. Ich hatte die Existenz dieser Gruppe immer für eine Mär gehalten, Bilder davon für colorierte Birkenpilze. Ich weiß, dass manch Leser nun lachen wird, weil er sich Rotkappen schon übergegessen hat, weil er sie zentnerweise heimgeholt hat, weil er sie nicht mehr sehen kann….

Dennoch, ich bin und war stolz auf diesen Fund. Genug der Worte.

zunächst noch einmal ein Gruppenfoto von jener Wanderung

Aber nun:


Leccinum versipelle - Birkenrotkappe, Heiderotkappe


Lepista nuda - Violetter Lacktrichterling

Dieser schöne violette Herbstpilz (auch im ganz späten Herbst) kommt zuweilen massig vor, schmeckt jedoch im Reingericht parfürmiert süßlich. Man kann ihn ja evtl. mit seinen eigenen Waffen schlagen und ihn gleich süß mit Backobst oder so braten; ansonsten gut im Mischpilzgericht. Bei ihm finde ich den lateinischen Namen leichter auszusprechen als den deutschen. So ging das los mit dem Pilzlatein.


Lycoperdon perlatum - Flaschenstäubling

Im letzten Pilzjahresgericht schwärmte ich vom Riesenbovist-Omelette. Also, so meinte ich, dürfte das kulinarische Ergebnis bei anderen Bovisten oder Stäublingen ähnlich sein. Mein erster Versuch mit dem Flaschenstäubling schlug fehl. Hat nicht so doll geschmeckt; vielleicht waren die Pilze auch schon etwas zu alt.


Lycoperdon pratense - Wiesenstäubling, Wiesenstaubbecher

Diesen Wolfs-Furz (so der übersetzte Name von Lycoperdon) fand ich 2016 erstmalig, dafür direkt vor unserem Haus. Er kam gerade richtig für die Pilzausstellung. Eigentlich sind es nur beperlte weiße Natur-Tischtennisbälle im Gras. Ich kannte sie bis dahin nicht.


Lycoperdon pyriforme - Birnenstäubling

Und noch ein dritter Wolfsfurz - eine Bezeichnung, die auf das explosive Zerstäuben zielt, wenn man auf einen reifen Fruchtkörper tritt.

Auch dieser Stäubling ist essbar, solange er auch von innen weiß ist.

Er soll aber unangenehm nach Leuchtgas schmecken. Das kann ich nicht beurteilen, da muss ich erst einmal Leuchtgas kosten.


Macrolepiota venenata - Giftschirmpilz, Giftriesenschirmling

Kurz vor der Pilzausstellung 2016 rief mich Kai an und sendete mir Fotos zu mit der Frage, ob diese Champignons in seinem Gewächshaus essbar wären.

Es handeltet sich jedoch um giftige Schirmpilze, die dort massenhaft wuchsen und für unsere Ausstellung gerade recht kamen. Hoffentlich hast du das nächste Mal mehr Glück, lieber Kai!

 


Auffällig ist immer die dicke Knolle am Stiel. Und die ist immer dreckig!

Macrolepiota procera - Riesenschirmpilz


Das gute Beispiel: der große, schöne und leckere Riesenschirmpilz, soll nun auch hier gezeigt werden.

Und weil das so schön aussah und roch - hier das gleiche Motiv, aber vom


Macrolepiota rachodes - Safranriesenschirmpilz

Die Unterschiede der genannten Arten: beim Riesenschirmpilz passt einer in die 28-cm-Pfanne (auf dem Bild ist der geviertelt); vom Safranschirmpilz passen sieben Stück in die gleiche Pfanne. Der giftige liegt dazwischen, dafür haut er dich in die Pfanne (zum Glück nicht lebensgefährlich).


Macrothyphula fistulosa - Hohe Röhrenkeule


Marasmius alliaceus - Langstieliger Knoblauchschwindling

Nun wird es mir ihm gegenüber schon peinlich. Seit Jahren kenne und esse ich ihn. Schon am Geruch kennen meine Frau und ich ihn im Walde von weitem.

Doch noch nie habe ich ihn fotografiert. Und nun beim ersten Foto sind noch nicht einmal die typischen langen, dunklen, dünne Stiele mit drauf.

In der Hoffnung, dass er das Pilzgericht knobiglich würzt, werfen wir immer mal mehr oder weniger von dieser Art in die Pfanne. Man kann ihn wohl essen, aber nach Knoblauch hat mir das Ergebnis leider nie geschmeckt.


Melanoleuca brevipes - Kurzstieliger Weichritterling

Nun habe ich wieder ein bisschen dick aufgetragen - als ob Ich schon Weichritterlinge kenne! Da gibt’s etwa 35 Arten, die sehen alle fast gleich aus. Aber die Stiele waren wirklich kurz, Ehrenwort!


Morchella conica - Spitzmorchel

„Warum“ - wird der auf dieser Seite angelangte Leser fragen - „warum schon wieder diese Spitzmorcheln? Die hatten wir bei Krause schon in den Pilzrückschauen 2008, 20012 und 2014!“

Gut aufgepasst! Aber die zweite oben links hat doch die Gestalt einer Speisemorchel, nicht wahr? Und manche Spitzmorcheln sind klein und andere recht groß; die werden von manchen Kennern gleich anders genannt (M. elata).

Meine Antworten darauf:

1. Es ist Wurscht. Die sind sowieso alle essbar und schmecken alle gleich.

2. Damit sind sie ein eiweißreicher und kalorienarmer Ersatz für Wurscht.

3. Wie diese Dinger genau abzugrenzen sind, darum sollen sich die dafür ausgebildeten Wissenschaftler kümmern. Vielleicht finden sie noch Anderes, wofür diese Geschöpfe nützlich sein könnten -enn nicht: WURSCHT (bzw. veganer Wurst-Ersatz).

4. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Artenabgrenzung ewig andauert, denn ich habe mal gelesen: „Gott macht alles neu.“ Ich denke, da wird wohl was dran sein.


"In Gottes Schöpfung braucht ein Zahnrad das andere."

Mt.PD 1, Vers 1 (Matti, Pilzdiakon Kaptel 1, Vers 1)


Mycena spec. - Helmlinge


Helmlinge, in Europa mit über 100 Arten vertreten, - ja, das wäre vielleicht noch ein Traum für mich, die alle kennenzulernen. Ich kenne nur ganz wenige, darunter sind keine stark giftigen.

Aber wenn man welche entdeckt, dann sind es manchmal gleich 100oder gar 1000 Stück! Das wäre mal was für eine Weiterbildung für mich! Schnittlauch ernte ich schließlich auch im Büschel!


Oudemansiella mucida - Buchenschleimrübling

Genau wie die Helmlinge gehört auch der Buchenschleimrübling in meinen Fokus der kommenden Jahre. Im Vertrauen - bitte nicht weiter erzählen: eigentlich wollte ich schon keine neuen Pilzbücher mehr kaufen. Aber dann habe ich doch noch eins gekauft. Der Autor ist ein lustiger Brite. Natürlich waren mir schon 96 % seines Wissens bekannt. Prozent 97 war etwas über den Riesenbovisten (nachzulesen im Pilzjahresrückblick 2014). Prozent 98 war die Sache mit dem Ockertäubling (ebenda). Prozent 99 ist nun dieser Pilz. Ich zitiere:

„ .. ließen sie sich gut anbraten und zeigten ein überraschend reich-haltiges Aroma. Seither bin ich zum Glauben an den Beringten Schleimrübling übergetreten.“

Dazu schreibt Herr John Wright unter P.S. Folgendes:

„Eine Untersuchung … in den 1980er Jahren führte zur Entwicklung einer neuen, sehr sicheren Gruppe von Fungiziden für die Landwirtschaft …, die zu einer massiven Ertragssteigerung bei Kulturpflanzen wie Weizen oder Obst geführt haben.“

 

Jeder weiß inzwischen, dass Pilze nicht nur zum Essen oder zum Sich-Vergiften da sind. Auch als Basis von Zitronensäure, als biologischer Diesel, als Farbstoff usw. werden Pilze genutzt. Kleinpilze wie eltiche Arten von Schimmelpilzen und Penicelline-Pilzen sind aus unserer Nahrungswirtschaft und Medizinwissenschaft nicht mehr wegzudenken. Dafür gibt es Fachbücher. Eins habe ich mir gekauft. Zu kompliziert für mich - und ohne Bilder - wer will es haben?

„Siehe, ich mache alles neu.“ Off. 21,5

Diesen Satz mochte ich eigentlich nie, weil er immer bei Beerdigungen gesagt wird. Inzwischen ist er mein Lieblingswort der Bibel. Leben vergeht nicht nur. Leben entsteht auch. Arten sterben nicht nur aus. Es entstehen auch neue Arten. Jeden Tag … Neues!


Paxillus atromentosus - Samtfußkrempling

(veraltertes Taxonom)

Erstmalig schreibe ich (in Klammern), dass es sich hier um einen veralterten wissenschaftlichen Namen handelt. Inzwischen ist die Wissenschaft so weit, dass sie Arten mit Hilfe der Gen-Analyse klassifizieren kann. Dabei treten oft ganz erstaunliche verwand-schaftliche Beziehungen zu Tage.

Das Problem ist, dass der normale Pilz-Interessierte diesem immer schneller werdenden Prozess nicht folgen kann. Fachlich möchte man aber schon Richtiges schreiben, so auch ich. Mein Weg aus diesem Dilemma:

Weil in unserem schönen und ruhigen Mecklenburg alles 50 oder gar 100 Jahre später passiert, bleibe ich in der Regel bei den gewohnten Bezeichnungen.

Neu ist hingegen immer noch diese meine Enkelin. Dass sie im Wüstenurlaub 2015 am Senftenberger See überhaupt einen Sucherblick für Pilze hatte - und dann noch einen fand - das ist für mich ein Wunder der Natur! Ich selbst hatte die Hoffnung seit Wochen aufgegeben. „Siehe, ich mache alles neu.“ Werde ich alt?!


Pholiota squarosa - Sparriger Schüppling

Ja, ich werde alt. Gut so. Dieses Foto habe ich von meinem Schwieger-Neffen über das Handy bekommen. Ich habe ihn bei mehreren Besuchen infiziert. Gut so. Neues kommt!


Piptoporus betulinus - Birkenporling

Den hatte schon Ötzi an seiner Halskette - als Reiseapotheke.

Er soll gut für den Magen und für alles Mögliche sein. In einem meiner Bücher steht sogar geschrieben, dass er ganz jung essbar ist.

Ich habe es ausprobiert, Resultat: abscheulich gelogen !!!


Pleurotus ostreatus - Austernseitling

Diesen Seitling fand ich im Herbsturlaub 20 16 bei Oschersleben.

Auf meine Nachfrage hin konnte Pilzvereins-Chef Torsten auch nur auf den Austernseitling tippen. Mir schleichen sich wieder Zweifel ein. Pilze sind wirklich manchmal schräg und unberechenbar.

Ein weißer Austernseitling, ein Albino? Wer weißß ???



Pleurotus drynius - Berindeter Seitling

Erstfund, ein bisschen kaputt. Der Pilz. Ich auch. War auch noch weit bis zum Auto. Kein besseres Foto möglich? Egal, Erstfund!

Zweiter Vesuch: von unten. Auch kaputt. Egal. Erstfund! Für mich.


Psathyrella conopilus - Steifstieliger Kegelhutfaserling

Dieser Pilz hat viele deutsche Namen. Aber meine Pilzbücher wissen nicht, welche Art dies nun genau ist. Über „Psathyrella conopilus“ liest man ganz unterschiedliche Dinge. Vielleicht sollte man ihn essen, um mehr zu erfahren. Auf jeden Fall steht er einigen Düngerlingen und Kahlköpfen nahe, die „bewusstseinserweiternd“ sind. Ja, da könnte man schon in ganz andere Welten abtauchen. Pilze sind schräg.


Stereum hirsutum - Striegeliger Schichtpilz

Auch hier eine andere Welt irgendwie. Ebenfalls schräge.


Stropharia coronilla - Krönchenträuschling

Endlich mal wieder ein „richtiger Pilz“. Und dazu sieht man den im Sommer fast jeden Tag. Dieser gelb-orange Pilz wächst in jedem zweitem Rasen. Leider jedoch ist er recht klein - der Hut wird selten mehr als 3 cm breit. Und leider wohnt er nicht in großen Wohngemeinschaften. Jedes Exemplar achtet drauf, dass sein Nachbar möglichst ein paar Dezimeter entfernt wohnt - ganz norddeutsch.

Auch für die Pilzbücher gab er nur unzureichende Kommentare ab: essbar oder nicht? Wer weiß das schon? Ich weiß es (glaube ich): Essbar. Aber zu viel Bücken kann auch schaden!


Suillus collinitus - Ringloser Butterpilz

nur bei Kiefern, neu für mich, Erstfund, essbar, Freude.


Xerocomus subtomentosus - Filziger Röhrling, Brauner Filzröhrling, Ziegenlippe

Nun gut, da ist die Forschung wohl noch nicht so weit, diese Pilze genau bestimmen zu können. Immerhin ist bekannt, dass alle diese Arten kleiner Röhrenpilze essbar sind. Für mich sind alle, die deutlich etwas Rotes am Stiel haben Rotfüßchen, die anderen sind eben nur Filzröhrlinge. Ob sie nun aussehen wie die Lippen einer Ziege, ob sie braun sind oder … Dieser „Braune Filzröhrling“ ist für mein Auge eher pinkviolett.



Dieses Exemplar darf dann auch zurrecht „Brauner Filzröhrling“ heißen. Seine Kappe ist schließlich braun. Aber auch der vorige Xerocomus hat eine filzige Hutoberfläche und deutlich goldgelbeRöhren. (Die haben z.B. die verwandten Rotfüßchen nicht).


Xerula radicarta - Wurzelnder Schleimrübling, Grubiger Wurzelrübling

Ich mach’s kurz: Essbar, aber minderwertig und unergiebig. Immerhin mal einer mit Wurzel, was sich im lateinischen Namen deutlich macht: „Radi“ steckt immerhin im Radi-s-chen und im Wort „radikal“ und in „Boletus radicans“.

Ja, das war’s wohl. Nach dem Anfangsbuchstaben X kann nicht mehr viel kommen. Oder doch?!

„Siehe, ich mache alles neu.“ So steht es aufgeschrieben in einem Buch, das in einem Zeitraum von ca. 2000 Jahren entstanden ist.

Oder bleibt alles beim Alten? In der Politik? In den Möglichkeiten der Technik? In den Beziehungen unter uns? In der Natur?

Ich glaube, dass alles immer wieder neu wird. Gott sei Dank!

 

"Pilz-Diakon" Matthias Krause im März 2017

 


 

 

 

 

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