Evangelische Kirchgemeinde Rehna - Kirch Grambow - Meetzen

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Mattis selige Pilzrückschau auf 2012

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Mattis selige Pilzrückschau auf 2012



Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

1. Buch Mose 1.31



Und wieder war da kurz diese Überlegung in meinem Kopf: „Kann ich diese Pilzrückschau-Reihe fortsetzten, Jahr für Jahr? Irgendwann muss doch Schluss sein. Sicherlich kommt bald mal ein Jahr, in dem es sich nicht lohnt, eine Pilzrückschau zu erstellen.Doch dann, nach Sichtung der 2012 Fotos samt zugehörigen Erlebnissen wurde mir wieder einmal klar, dass ich auch im verflossenen Jahr wieder reich pilzig beschenkt wurde, Gott sei Dank! Nach einem ersten Überflug über die Fotos entscheide ich mich für folgenden Titel:

 

Aller Hand Stock-Schwämmchen anno 2012 !

Wenn um die Jahreswende in unseren Breiten ein naturfrisches Bukett zu finden ist, dann nur in der Pilzwelt: Samtfußrüblinge (Winterpilze), gefunden zum Jahresbeginn im Roggendorfer Moor.

Dieses Bukett hat weit über 2 Millionen Pixel und natürlich fast ebenso viel Fruchtpilzchen.

Man braucht schon beide Hände, um solch freudige Funde (manchmal auch Pfunde) zu ernten. Daher kommt sicherlich die Redensart: Aller Hand.

Damit ist schon fast die ganze Überschrift geklärt. Doch das Wichtigste fehlt noch: Was sind Stockschwämmchen ?

Kurze Frage, kurze erste Antwort: herkömmlich sind damit Pilze gemeint, die in mehr oder weniger großen Scharen auf Holz (= Stock) zu finden sind: auf Baumstümpfen, auf Ästen und Zweigen, an robusten Stämmen, auf scheinbar nackter Erde (unter welcher heimlich Reste von Mulch oder Wurzeln verborgen sind) …

 

Die zweite Antwort: Stockschwämmchen ist der deutsche Name für Kuehneromyces mutabiles. Bevor die dritte Antwort kommt, freuen wir uns erst einmal an den „normalen Stockschmwämmchen“, die fast das ganze Jahr über zu finden sind.

Anfang April 2012 an der Ostsee

Es ist immer wieder eine Freude, jedenfalls für mich: wenn alt eingeübte Pilze-Sammler über schwache Ernten von Steinpilzen oder Maronen klagen - und auch ich finde jene Arten kaum - dann entdecke ich oft auf ganz normalen und einfachen Baumstümpfen

 

Stockschwämmchen

Dass es sich bei diesem April-Fund um das normale - von Kennern dem Steinpilz als ebengenüsslicher Speisepilz geachtete - essbare Stockschwämmchen handelte, schwante mir zwar unbewusst (wegen des oberseits geschuppten Stieles). Gewissheit erlangte ich allerdings erst zu Hause.

Die dritte Antwort: Auch der Wässrige Mürbling (Psathyrella piluliformis) wird als

Stockschwämmchen bezeichnet, genauer als Weißstieliges Stockschwämmchen.

 

 

Diesen wenig beachteten Pilz findet man oft im Laubwald. Die auf dem Foto abgebildeten Exemplare verspeiste ich mit Hochgenuss am 1. Dezember. Der Speisewert wird in den mir vorliegenden Pilzbüchern so gut wie nicht gewürdigt, lediglich Franz Engel schreibt:

„Wenig beachtet wird das Weißstielige Stockschwämmchen … Wer einen Versuch

gemacht hat, wird diesen zarten Pilz nicht verschmähen.“ („Pilzwanderungen“, 2. Auflage 1952, Seite 47; in späteren Auflagen fehlt diese Erwähnung).

Auch meine liebe Frau Angelika fand das Pilzgericht vorzüglich, und Angelika sollte man glauben, schließlich kommt ihr nicht alles auf den Teller, was ich so anschleppe.

 

 

Wie man sieht, finden sich Stockschwämmchen das ganze Jahr hindurch, oft sehr wohl-

schmeckend und in reichlicher Menge, dazu selten madig oder sandig, da auf Holz wachsend.

Wenn ich sie in diesem Jahr auch nicht so reichlich fand, möchte ich sie doch nicht unerwähnt lassen, die Rauchblättrigen Schwefelköpfe, welche im Spätherbst im Nadelwald vorkommen.

Die ersten fand ich allerdings schon am 19. Februar bei 2 Grad nahe Vietlübbe. Im Oktober verhalfen mit ebenfalls bei einer Kurztour im Othensdorfer Forst zwei Stockschwämmchen-Arten zu einem vollen Korb: ein Laubholzstubben mit Honiggelbem Hallimasch und ein Fichtenstubben mit Rauchblättrigen Schwefelköpfen.

Nach einiger Überlegung, ob ich diese Rückschau vielleicht mal etwas anders aufbauen, etwa Rubriken wie „Kulinarisches“, „Ästhetisches“ usw. einbauen sollte, habe ich mich doch aus zwei Gründen wieder für die chronologische Berichterstattung entschieden: 1. ist das einfacher und 2. entfällt so der Druck, mir jedes Jahr etwas Neues auszudenken.

 

Während im Januar einige wenige Pilzarten in „voller Blüte“ stehen, überdauern andere Reichsgenossen (Pilze bilden in der Biologie neben den Pflanzen und Tieren ein eigenständiges Reich, auch wenn sie zu meiner Schulzeit noch zur Botanik zählten) standhaft die kargen Wintermonate; andere Mykis luschern schon mal vorsichtig aus ihrem Substrat heraus und wissen wohl noch gar nicht, was sie mal werden wollen.

 

Es ist die Zeit, in der das Überleben schwierig wird. Übrigens - bei aller Fülle 2012 - schon jetzt möchte ich mich höflich entschuldigen, dass ich kaum Pilzspenden getätigt habe in diesem Jahr; meist hat es nur für den eigenen Anhang gereicht.

Erste Frühlingspilzhoffnung gibt es erst ab Mitte April.


Bei diesen Becherlingen ist es noch nicht deutlich, ob wir uns freuen oder ängstigen sollten vor der erwachenden Pilzwelt; kurz: werden wir bald Pilze essen, oder fressen uns die Pilze?

Dieser Becherling verschlingt jedenfalls anscheinend gerade ein Pflänzchen!

 

So manches Bild erinnert mich im Frühjahr doch eher an juckende Hautpilze und so weiter.

Aber immerhin, so habe ich gelesen, erfüllen ca. 87% aller Pilze ihre eigentliche Aufgabe und zersetzten abgestorbenes organisches Material in ihre ursprünglichen chemischen Elemente.

Und manche gehen "Win-win-Partnerschaften" ein. Und mache kann man essen und genießen.

Und andere kuscheln. Und noch andere werden eifersüchtig …

Ende April, nahe Ostseestrand Börgerende:

Große Becherlinge, ob man die essen kann? Höchstens, wenn sie nach Badeanstalt (Chlor) riechen. Also runter und schnuppern, auch wenn sich andere Spaziergänger wundern.

Nix mit Chlorgeruch, nicht der leckere Chlorbecherling. Also Peziza arvenensis oder Peziza varia (Buchenwald-Becherling oder Riesen-bzw. Kurzstieliger Becherling). Ich konnte mich nicht entscheiden, trotz fleißiger Untersuchungen.

Nun aber zu Essbarem. Beim Konvent der kirchlichen Mitarbeiter unserer Propstei machte mich die Pastorin Schlagsdorfs auf ein Gebilde aufmerksam und wollte wissen, ob das ein Pilz sei. Ihre Ahnung war richtig: sie zeigte mir eine wunderschöne große Speisemorchel.

 

Sie sollte ihren Platz auf diesem gestellten Foto finden neben den neun Spitzmorcheln, die ich auf Marcos gemulchtem Vorgartenbeet entdeckte. Und sie kam als eine der ersten Pilze in diesem Jahr in unseren Pilzvereins-Schaukasten.

Hier ist auch das letzte Mal die alte mumifizierte Hohe Morchel (Morchella elata) zu sehen, die große Tante der Spitzmorcheln, die lange Zeit in meinem Keller ruhte. Nach der Pilzausstellung im Oktober habe ich sie beerdigt wegen fortschreitender Bröckelung.

 

 

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Dann noch eine Halbfreie Morchel im heimischen Areal - und schon hatte ich immerhin drei Morchelarten gefunden, nicht selbstverständlich in unseren Breiten und Längen (eine „eigene“ Speisemorchel fand ich in Kirch-Grambow).

Nicht viel und doch ganz viel: Spitzmorcheln im Reingericht - sehr, sehr lecker, besser als die sogenannten Speisemorcheln!

Da sind wir auch schon im Mai angelangt, dem meist besungenen Monat des Jahres. Bislang ging es in den Liedern immer um Pflanzen und Vögel und um die Liebe. So der Herrgott es will und er mir ein langes Leben schenkt, wird sich dies bald zugunsten der Pilze ändern.

 

Mit ein paar älteren „Kumpels“, mit dem Seniorenkreis unserer Kirchgemeinde, besuchte ich die nahegelegene Dorfkirche von Lübsee. Wenn ich auf Pilze zu sprechen komme, dann höre ich immer wieder Abenteuerliches von diesen und anderen Senioren, was die Menge und Qualität der Pilze (natürlich fast nur Steinpilze und Maronen) betrifft. Na, ich werde auch älter und neige vielleicht schon mal zu Übertreibungen, Gott möge es verhindern. Jedenfalls fanden wir bei diesem Trip zwar nur drei Maipilze, diese waren jedoch jeweils 60 - 80 cm hoch !!!

Am 17. Mai, dem Herrentag, sah ich dann einen großen Hexenring überständiger Maipilze bei Törber , gefunden auf Nachfrage währen unserer Himmelfahrts-Radtour.

 

Nun müsste die Zeit der leckeren essbaren Porlinge beginnen. Ab und an frage ich unseren Friedhofswärter Mario nach dem „aktuellen Friedhofspilzbericht“. Anfang Mai wies es mich auf folgende Pilze hin. Nach einigem Suchen fand ich sie:

 

Es waren wunderschöne, aber kleine Exemplare des Schwarzstieligen Schuppenporlings, leider zu zäh für Speisezwecke. Mein Bruder Andreas, der seit Dezember 2011 in Rehna lebt, war Zeuge dieses Ereignisses. Er ist Junggeselle und geht keiner Arbeit nach. Eigentlich gute Voraussetzungen, um pilzig infiziert zu werden. Bislang sind jedoch kaum Symptome nachweisbar.

Schade auch, dass ich in diesem Jahr kulinarisch von diesem Pilz nichts hatte; aber ich bin trotzdem nicht wirklich abgemagert (deshalb vielleicht bislang kein Foto von mir).

Kommen wir zu der zweiten essbaren Mai-Porlingsart, dem Schwefelporling. Davon gab es reichlich: dazu kam ein zweiter Schub im August: es gab nicht nur reichlich Pilze dieser Art, sondern damit verbunden auch viel Freude, Arbeit, Schimpfe, Verteilungs- und Einfrierungssorgen, schöne obstig-pilzige Gerüche in der Küche …

An zwei solcher Kampfaktionen kann ich mich erinnern:

18. Mai: 3 kg Schwefelporling + 3 kg Hackfleisch = 6 kg Pilzklolpshack = 100 Pilzklopse

(ich war in Mathe schon immer ganz gut in Sachaufgaben)

Die zweite Aktion war im August. Ich lasse nun einfach die Bilder sprechen.

 

Entdecken und sich freuen.

Bewundern und fotografieren.

 

In Scheiben schneiden, Abkochen (da roh giftig).                    Den fruchtig obstigen Geruch genießen.

 

 

Dann panieren - fertig ist das mykovegetarische Schnitzel!  Doch leider keine Klopsfotos. Dazu kam ich bei den Küchenkämpfen nicht (später kommen aber welche).

Ich mag solche Fotos eigentlich nicht, es grenzt an Angeberei, so etwas Leckeres Jahr für Jahr zu zeigen. Egal. Vielleicht hilft es ja jemandem.

 

Damit ist das erste Halbjahr wohl abgeschlossen, soweit ich mich erinnern kann und mag.

Nun kam wieder einmal eine Trockenheitsperiode, die etliche Wochen andauerte. Keine Champignons weit und breit (außer A. bisporus bei Lidl et all). Die Netzstieligen Hexenröhrlinge, die sonst die halbe Stadtfläche bevölkerten - vielleicht werde ich nun wirklich älter und übertreibe leicht - blieben zunächst aus. Unser Pilzguru Torsten sprach gar von einer Katastrophe … - nun, er ist inzwischen auch schon 50. Jedenfalls kam es bei diesen Steinpilz-Verwandten erst im Juli zu einer - allerdings sehr freudigen - Nachlieferung (s. weiter unten).

Da war der folgende Fund schon das Highlight einer sonst erfolglosen Pilzwanderung.

Diese kleinen gelben Pilze oben (Parasitische Röhrlinge) vernaschen gerade einen alten Kartoffelbovisten. Schade, dass sie recht selten sind, ich muss sie unbedingt mal kosten: essbare Pilze, die auf Giftpilzen wachsen, das ist doch was für einen Pilzdiakon!

Unseren Urlaub in der ersten Julihälfte verbrachten wir in der schönsten Stadt nördlich des Äquators: in Rehna.

Zu Gast hatten wir eine dreiköpfige und pilzhungrige rumänische Familie, unsere lieben Freunde aus Codlea bei Brasov. In ihrer Heimat, dem burgenreichen Transsylvanien, hatten sie uns schon einige Male abenteuerlich unterhalten. So hieß es unsrerseits, Gelu, Ile und Dany gut zu unterhalten, ohne natürlich jeden Tag Unmengen an Geld für Hanspark usw. auszugeben - Pilze mussten her!

Die ersten kleinen Myko-Naschereien zeigten sich während einer Radtour: Nelkenschwindlinge, die nach Apfelkernen duften und schmecken, mischten sich abends mit gesalzenen Erdnüssen; sehr wohlschmeckend und schmackhaft und originell (und lecker).

Ja, und dann - Wunder über Wunder - alle Welt jammerte über Trockenheit und ausbleibende Pilzfunde - da entdeckte ich … oder der rumänische Physiker, Direktor, orthodoxe Christ, Philosoph, Ikonen-Maler, Charlatan … wir fanden zig Hexenpilze, alle knackig fisch.

Zwei Mal wurden wir in diesen 10 Urlaubstagen fündig - Anlass, meinem osteuropäischen Scharlatan unseren mecklenburgischen Pilz-Guru Torsten vorzustellen. Der wirkliche Anlass war allerdings der, dass etwa die Hälfte der gefundenen Pilze nicht die typische namensgebende Netzzeichnung aufwies und so evtl. einer anderen, seltenen Pilzart angehören könnten. Das schloss Torsten dann aber wissenschaftlich und guristisch aus.

Die Pilze vorne links wiesen kein Netz auf und hatten andere Rot-Töne als die deutlich benetzten Pilze hinten (vorherige Seite).

 


 

Gut, dass Gelu da war, ich hätte mich nicht getraut, über den Zaun beim Wasserwerk zu klettern und die Pilze zu ernten.

Der Sommer blieb trocken, der Regen setzte erst zehn Tage vor den Tagen der Pilze ein. So gab es Pilze fast nur für den Eigenbedarf. Viele Rehnaer, die sonst ab und an von mir beliefert werden, mussten Notnahrung wie Obst, Gemüse oder Fleisch zu sich nehmen. Was aber stand auf dem Speiseplan der Familie Krause?

Am 12. Juli, kurz nach Abreise der Rumänis, entdeckte ich mitten in Rehna etliche Exemplare des Wurzelnden Bitter-Röhrlings, quasi zum Appetit holen. Denn, wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen sehr bitteren, aber fotogenen und in der Regel recht seltenen Pilz.

 

Wurzelnder Bitterröhrling (Boletus radicans)

 


Von oben eine „graue Maus“ zeigt er doch von unten ein schönes Gelb, das sich bei Druck oder Zerschneiden in ein schönes Blau verfärbt. Zudem ist er ein sehr fester Pilz und immer völlig frei von Maden. Ich habe gehört, dass alte Menschen zuweilen ihren Geschmacks-Sinn verlieren. Ich werde mir die Fundstelle merken, vielleicht werde ich mal alt und geschmacklos. Hoffen wir mal (?).

Wie gesagt, dies war nur etwas zum Appetit bekommen. Einen Tag später zeigte sich mir dann eine Gruppe des Stadtchampignons. Wie ich gelesen hatte, soll der geschmacklich dem Zuchtchampignon überlegen sein, nur wäre seine Züchtung teurer. Dass er wirklich köstlich ist, verrieten schon die zahlreichen Madengänge selbst in den Fruchtkörpern, die noch größten Teils unter der Grasnarbe steckten.

Agaricus bitorquis Das zweite lateinische Wort verweist auf die doppelte Manschette, der Pilz wird auch Scheiden-Egerling genannt.

Er hat beim Durchbrechen des Bodens etwas Rabiates, sogar Asphalt-Decken ist er imstande aufzureißen. (Exkurs für Erwachsene: Im Namen Scheiden-Egerling klingt etwas sehr Weibliches an; im Durchstechen selbst unwilligen Substrates steckt sprachlich deutlich maskulines Potential - man sollte den Pilz umtaufen in „Agarikus bisexuellis“ oder so, aber auf mich hört ja sowieso keiner).

Die obere Manschette ist ein Rest der embryonalen Schutzhülle, die unterirdisch den Hut, also die wertvolle sporenhaltige Lamellensubstanz umschließt; die untere Manschette ist ein Rest einer ursprünglichen Gesamthülle.

Ich verzeihe es den hungrigen Maden, dass sie mir in dieser Trockenperiode nicht viel gute Substanz übrig ließen. Dennoch reichte ein kleines Mahl mich davon zu überzeugen, dass der Stadtchampignon sehr schmackhaft ist: nussig mit etwas Aniskomponente. Das wegen der Madengänge recht mühsame Putzen (ich rettete nur ca. 5 %) versüßte mir die von draußen hereinströmende Marschmusik des Festumzugs anlässlich des 40. Geburtstag des plattdeutschen Vereins. Aber die Pilze schmeckten nicht platt.

Am Sonntag, dem 23. Juli fand ich während einer Nachmittags-Kaffee-Fahrt ein paar Champignons (welche genaue Art auch immer) im Fichtennadelstreu bei Paulsen in Törberhals und drei schöne Birkenpilze auf unserem Friedhof, somit war das Mittagessen der nächsten zwei Tage gesichert.

In der darauf folgenden Woche ernährten wir uns von ein paar Rotbraunen Riesenträuschlingen und von einem Riesenbovisten (Langgermania gigantea - vielleicht sollte er auch mal in Dick-Germania umbenannt werden, weil er ja eher dick als lang ist).

Zurück zur schwefligen Pilzkampfaktion.

Zuerst - ich erinnere mich noch genau - hat die liebste und beste Pilzköchin ein wenig geschimpft. Schließlich durchkreuze ich immer mal wieder den von ihr aufgestellten wöchentlichen Ernährungsplan. Doch dann hat sich Angelika die Schürze umgebunden und los ging die pilzige Schweinerei. Als sie sich in ihr Schicksal ergeben hatte, zerlegte ich vor ihren Augen noch einen Bovisten mit der Bitte um regelmäßige Vorsuppe.

Im August gab es, wie gesagt, noch einmal einen kräftigen Schub des fruchtig- ergiebigen Schwefelporlings, den man ja eigentlich im Mai erwartet. Gleich nach der Bovist-Orgie schleppte ich etwa 6 Kg dieses Pilzes an, eine mittelschwere Ehekrise stand im Raum. Danke, liebe Heike, dass du mir 5 Pfund von dieser Sünde abgenommen hast. Es entstanden wieder etwa 100 Schwefelporlings-Klopse, von denen heute (Mitte Januar 2013) noch etliche im Gefrierfach sind.

 

Rezept: 1/3 Schweinehack,  2/3 Pilzhack, normal würzen; Klopse zart panieren, da sie leichter auseinander fallen als normale Klopse

Die Berge an Pilzen fotografisch festzuhalten war kaum möglich. So viel Speicherplatz hat meine Kamera nicht.

Das nachfolgende Bild zeigt einen Schwefelporling, den ich dann mit der im neu begonnenen Schuljahr neu gebildeten schulischen Pfadfindergruppe geerntet und verarbeitet und verspeist habe.

Wenn man einen Pfad geführt wird, auf dem einem solch ein Gebilde begegnet, dass nach fachkundiger Erlegung und Zubereitung nicht mehr giftig, sondern essbar und sehr lecker ist, dann ist das schon beste Pfadfinderarbeit. Das war unsere ungeteilte Meinung.

(sagt auch Reinhard, der Boss aller Pfadfinder Mecklenburgs; = der Junge ganz rechts)

ein Nudelholz als pädagogisches Hilfsmittel  -                    und schon entstanden ein toller Gurkensalat,

wunderbare Pilzschnitzel,

 

und fröhliche Stampfkartoffeln.

 

Und schon konnte fröhlich gezecht werden.

Schön, dass auch der Diakon der Kirchgemeinde und einige Christenlehre-Kinder etwas von den Delikatessen abbekamen.

 

Diese schönen Exemplare entdeckten wir auf einer weiteren Pilztour - schön, aber schon zu alt und zäh.

Ein anderes Mal gab es dann Pilzklopse.

 

Die größte Belohnung für mich: einer der Pfadfinderjungs zeigte mir im Wald eine schöne Steinpilz- und Maronenstelle. Am Sonnabend drauf erntete ich dort mit Angelika etwa 50 schöne Maronen und zwei Steinpilze. Weitere zehn Tage später standen dort jede Menge Rotfüßchen, auch nicht schlecht!

Was gab es sonst noch Schönes bis zu den „Tagen der Pilze“, die in diesem Jahr erst Mitte Oktober statt fanden?

- einen Fransigen Wulstling, Amanita strobiliformis, in Kirch-Grambow, zwar nicht mehr so schön, dafür aber sehr schmackhaft, sagte die Schnecke (und recht selten).

- einen bekränzten Stinki

 

- zwei wunderschöne Erhabene Champignons, Agaricus augustus (aus Ninas Revier), die von Heidi und Jens vertilgt wurden

 

- ein paar Safran-Riesenschirmpilze + Zubehör gab es dann     Anfang Oktober für meine Geburtstagsgäste (z. B. Heidi und Jens)   - schlechtes Foto, aber tolle Pilze!

Aber die schönsten Fotos gelangen mit den farbfrohen Gelbfüßen und Fichtenreizgern.

Dieses Foto kennt der freudige Leser dieses Werkes schon fast von Seite 1, hier ist jedoch aus Kitschigkeitsgründen noch die Feder eines Eichelhähers mit dazugelegt.

 

Der große Gelbfuß wird auch treffend Kuhmaul genannt und ist sehr schmackhaft.

 

Aber damit man mir nicht unterstellt, dass es mir immer nur ums Essen geht - ich esse nur, weil es sein muss und aus Höflichkeit usw. - hier zwei Fotos von nicht essbaren Pilzen. Das erste zeigt einen Kiefernbraunporling, sonst ein harter Baumpilz, hier jedoch weich und saftig. Das zweite Foto zeigt einen jungen Riesenporling, ebenfalls weich und saftig, fast essbar.

Diese Orange-Becherlinge entdeckte unsere liebe Küster-Kerstin auf dem Pfarrhof. Zwei Wochen später buddelte ich aus und schleppte sie zur Pilzausstellung.

 

Das gleiche freudige Schicksal teilten ein paar Mennigrote Saftlinge aus dem Nonnengarten.

 

In den Herbstferien sammelten wir ein paar schöne Pilze bei Oschersleben. Neben Lärchenröhrlingen fand ich auch zum ersten Mal Lärchen-Ritterlinge.

 

Lärchenritterling Lärchenröhrlinge

 

Pünktlich zu den Tagen der Pilze machte mein Fotoapparat Urlaub, er reagierte einfach mal einen Monat nicht und machte mir Hoffnung, dass ich von der Versicherung bald einen neuen bekomme. Aber es war einfach nur Urlaub; war ja auch verdient, oder?

So konnte ich leider nicht alles dokumentieren, was ich an Trophäen für die Pilzausstellung zusammentrug. Dieses Bild schoss Roland Lebendig, mit dem ich im Roggendorfer Moor erfolgreich nach weißen Moorbirkenpilzen Ausschau hielt. Dabei war ich der Fahrer und Führer, Roland jeweils der Finder. So fand er auch noch irgendwelche große Korallen, die aussahen wie Rasierpinsel, Adonis-Helmlinge und riesige Halskrausenerdsterne.

zwei Fotos von Christoph Völzer  (Krause, Halskrause, Krakow)

 

Dieses und das folgende Bild sind von Torsten.

 


Korallenroter Helmling (Mycena adonis) aus dem Roggendorfer Moor

Diese seltenen Pilzchen - ich weiß gar nicht, ob Roland sie zuerst entdeckte oder ich - gehörten zu den Hinguckern bei den gut 300 Pilzarten unserer Ausstellung Mitte Oktober.

Einen Schwarzblauenden Röhrling konnte ich noch als Rarität beisteuern, weitere Einzelheiten habe ich vergessen.

 

So, jetzt sind wohl mal wieder gelbe Pilze an der Reihe.

Goldmistpilze (dies waren eher Goldmulchpilze) aus Nachbars Garten

 

Auf dem Stubben eines vor wenigen Jahren in unserem Garten von uns geernteten Weihnachtsbaumes wuchsen kräftige Rauchgraue Schwefelköpfe, die wir an Kerstin verfütterten.

„Selber essen macht fett“ lautet eine Redewendung, meine Waage bestätigt dies.

Deshalb futterte ich auch die Austernseitlinge vom MC-Haus nicht selbst, sondern schickte Vater Krause zum Ernten.

 

Austernseitlinge

 

Als Deko gab es auf der anderen Seite des Stammes Gesäte Tintlinge.

Das sah doch schon sehr winterlich aus, wenngleich die Fotos bei ausgesprochen mildem Herbstwetter entstanden.

 

Im Laubwald lagen zu dieser Zeit nun schon so viele Blätter, dass ich dankbar war, viele leuchtend weiße Pilze zu finden, andersfarbige waren einfach nicht mehr auszumachen. Ich wusste, dass man diese Elfenbeinschnecklinge essen kann, wenn sich die Pilzbücher da auch nicht einig sind und die Angaben in der Literatur über den Speisewert sehr schwanken. Im Spätherbst vergangenen Jahres lernte ich die leckeren Frostschnecklinge kennen. So war ich neugierig auf ein Elfenbein-Reingericht. Am interessantesten fand ich den Hinweis, dass diese Pilze so riechen wie die Raupe des Weidenbohrers. Na, das hat mich doch schon immer interessiert, wie diese Viecher riechen!

 

Wirklich hübsche, weiße Pilzchen! Man könnte sich höchstens am vielen Schleim stören,

aber solange man nicht dran festklebt … - dieser Schneckling hat Verwandtenbesuch -

 

wirklich schöne Pilze, rechts mit ein paar Kaffeebraunen Gabeltrichterlingen (u.a.)

 

Dass der unangenehm süß-säuerliche Geruch (nach der Raupe des Weidenbohrers) beim Braten vergeht, lässt den Pilzbuchleser freudig hoffen, ist aber leider gelogen.

Fazit: als Mischpilz brauchbar; wer den Pilz gerne mag, dem sei empfohlen, mal nach den Raupen des Weidenbohrers zu suchen. Die sind vielleicht nicht so schleimig und ersparen etwas Arbeit.

 

Ich weiß gar nicht, warum ich keine Fotos vom Ockerbraunen Trichterling habe. Auch diesen ergiebigen Pilz habe ich im Reingericht gekostet. Nächstes Mal schnippel ich mir Rettich in die Pfanne, dürfte der gleiche Geschmack sein.

 

Vor dem kulinarischen Happy End noch ein paar Fotos von Pilzen, die nicht gegessen wurden. Diese im Stiel aufgeblähten Nebelkappen wollten sich als Keulenfüßige Trichterlinge ausgeben, aber ich glaube Torsten, dass es erstere Art war.

Gartenriesenschirmling (giftig)

 

Natürlich bin ich auch immer auf der Suche nach pilziger Dekoration für Haus und Garten.

Der obere Zunderschwamm wohnt nun Milchsteig 45 in Rehna.

 

Die meiste Deko lasse ich aber im Wald. Meist kenne ich nicht einmal die Namen solcher Gebilde. So wird es wohl auch in den kommenden Jahren nicht langweilig werden.

Da die Pilze dieser Seite alle auf Holz wachsen, gehören sie ja auch irgendwie zu den Stockschwämmchen, die dieser Pilzrückschau ihren Untertitel gab. Und so endete dieses schöne Pilzjahr auch mit winterlichen Pilzen, die an Bäumen wachsen und nussig, malzig und sogar etwas pilzig schmecken (auch roh!): mit den

Samtfußrüblingen, kurz: Winterpilzen.

Die suchte ich mit Nina, Michael und Spezial-Samtfuß-Erntegerät im Roggendorfer Moor.

 

Sie wurden am 28. Dezember auf Toast serviert bei der Weihnachtsfeier des Kirchenchores.

Und eine zweite Ladung, die wir in Rehna fanden, konnten Judith und Micha mit nach Berlin nehmen (in Großstädten gibt es ja sicherlich immer nur Fast Food).

Tschüß mit Goldgelbem Zitterling.

 

Am Silvesterabend entdeckte ich am Stamm einer alten Kastanie in Meetzen …

(Fortsetzung folgt in einem Jahr)

 

 

 

Zusatzblatt zur freiwilligen Selbstkontrolle

 

1. Wie viele Fotos sind in diesem Bericht? a) gut 50, b) über 80, c) über 100

 

2. Wie viele Giftpilzarten sind abgebildet? a) 2, b) 12, c) 22

 

3. Anzahl der Mikroskop-Fotos: a) 3, b) 8, c) 12

 

4. Fotos mit Pilzgerichten oder zumindest schon zum Braten vorbereiteten Pilzen:

a) etwa 5 b) etwa 15 c) etwa 25

 

5. Bilder mit Menschen drauf: a) 8, b) 16, c) 24

 

6. Bilder vom Pilzdiakon: a) 2 b) 5 c) 12,5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auflösung:

 

1. c 109

 

2. a 2 (S. 13 Kartoffelbovist und S. 32 Gartenriesenschirmling); meinetwegen

kann der roh giftige Schwefelporling noch dazugerechnet werden, dann

sind es drei Arten; alle anderen sind essbar oder auch nicht, aber nicht giftig

 

3. a 3

 

4. b

 

5. c 24

 

6. b 5

 

 

Sprachen/Languages