Evangelische Kirchgemeinde Rehna - Kirch Grambow - Meetzen

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Start Ausgew. Predigten von Pastor Ortlieb Heilig Abend 2014 mit Stäben

Predigt und Stab-Krippenspiel Heilig Abend 2014

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Liebe Gemeinde am Heiligen Abend in Kirch Grambow,

Sie haben heute ein Krippenspiel mit Stäben erlebt. Zuerst waren die Stäbe Ausdruck militärischer Macht, danach Wanderstäbe. Gleich darauf bildeten die Stöcke einen Stall, in dem das Kind geboren wurde. Darauf gaben die Stäbe Hürden ab, also Zäune, hinter die man Schafe pfercht. Dann wurden die Stöcke zu Hirtenstäben. Und zuletzt hielt Maria ihren Stab wie ein neugeborene Kindlein in den Armen, zärtlich und fürsorgend.


Das ist schon ein merkwürdiges Krippenspiel in diesem Jahr! Ein Krippenspiel mit Stäben oder Stöcken. Was haben die denn aber mit Weihnachten zu tun?

Da lacht jemand! Ich ahne schon, was sie denken. Der Weihnachtsmann oder der Knecht Ruprecht hat auch einen Stock oder eine Rute bei sich. Wie lautet die Frage an Knecht Ruprecht in dem sonst schönen Weihnachtsgedicht von Theodor Storm?:

»Hast denn die Rute auch bei dir?« Ich sprach: »Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten, die trifft sie auf den Teil, den rechten.«

Das ist Pädagogik des 19. Jahrhunderts in Schulen und Elternhäusern; mit Zuckerbrot und Peitsche kam hier der Weihnachtsmann zu den Kindern. Doch welches Kind ist denn schon schlecht? Kein Kind darf geschlagen werden. Das tut dem kleinen Körper gar nicht gut. Und vor allen Dingen kann die Seele Schaden davon tragen. Hauen / Schlagen ist keine Erziehung. Denn Gewalt demütigt und verletzt.

Aus der Verheißung des Alten Testamentes zur Heiligen Nacht hörten wir vorhin, dass „der Stecken des Treibers zerbrochen“ werden wird. Im Krippenspiel sahen wir gleich zu Beginn „den Stecken des Treibers“. Den Stecken des Treibers, der Maria und Josef fortjagte und mit den beiden all die anderen Flüchtlinge bis zum heutigen Tag. „Der Stecken des Treibers“, ob er nun in den Händen der römischen Armee oder der Taliban liegt, „wird zerbrochen werden“. Das ist die Hoffnung der Heiligen Nacht, dass Gewalttaten in der Welt und in den Familien endlich ein Ende haben werden.


Doch die Stäbe des Krippenspiels führen uns noch weit tiefer, in eine noch größere Wirklichkeit. Sie führen uns nämlich in die Tiefe der Heiligen Schrift. Die Großen der Heiligen Schrift waren nämlich allesamt Hirten. Daran erinnern die Stäbe, an Hirtenstäbe.

Mose zum Beispiel war ein Hirte, der auf einer Weide Gott begegnet war – in einem brennenden Dornenbusch.

Auch der große König David war Hirte.

Ja, Gott selbst wird in der Bibel als Hirte bezeichnet. So heißt es im 23 Psalm: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nicht mangeln. ER weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser. Sein Stecken und Stab trösten mich….“

Die Hirtenstäbe des Krippenspiels erinnern an die großen Verheißungen der Heiligen Schrift, die mit den Hirten verbunden waren.

 


Da ist der Traum von Freiheit. Mose führte sein Volk aus der Sklaverei, hin in das gelobte Land.

Und mit dem Hirtenkönig David war der Traum von einem Friedensreich verbunden, in dem Gerechtigkeit und Fürsorge gelebt werden.

Doch was war aus den Träumen der großen Hirten geworden?

Im Laufe der Jahrhunderte verkam der Hirtenstand. Aus den Hirten waren zurzeit von Jesus regelrechte Assis geworden, die sich prügelten und denen man nicht trauen konnte. Man wusste nie, wenn man denen sein Vieh anvertraute, ob man seine Tiere je wieder sehen würde. Oder ob die Hirten mit den Schafen über alle Berge ziehen. Mietlinge waren diese Hirten, die für Geld das Vieh mehr schlecht als recht weideten.

Was war bloß aus den Träumen geworden, aus den Träumen von den großen Hirten? Mose und David?

Und so mancher von uns fragt sich heute: „Was ist bloß aus meinen, aus unseren Träumen geworden?“

Was ist geblieben vom Traum unserer großen Liebe am Anfang unserer Beziehung. Mit der Zeit ist dieser Traum mehr und mehr verblasst, unter- gegangen im Alltäglichen.

Was ist bloß aus meinen Lebenszielen und Entwürfen geworden, die mich in jungen Jahren bewegten?

Ja und mein Glaube, der mich einst begeisterte! Wo ist er nur hin?

So standen die Hirten in jener Heiligen Nacht bei ihren Hürden, gestützt auf ihre Hirtenstäbe und dösten in die Dunkelheit. Ja bis, bis der Himmel plötzlich hell wurde - und das war das eigentlich Wunderbare dieser Nacht: Der Himmel berührte die Erde. Das ist ein herrliches Erleben – als wenn ein ganzer Engelschor singen würde.

Und die Träume der Hirten wurden wieder lebendig: Soll es doch noch wahr werden, dass die Erde heil wird und endlich Frieden herrscht?

Und die Hirten ließen sich bewegen von ihren Träumen, den alten Träumen ihres Volkes. Sie gingen dorthin, wo der große Hirte des Heils und des Friedens geboren werden soll. In armseligen Verhältnissen, in einer Krippe.

Der gute Hirte war geboren, wie Jesus später genannt wurde. Der gute Hirte – Nachfahre des Hirtenkönigs David. Der Hirte der Seelen.

Wenn ich diesem Hirten vertraue, kann es sein, dass auch meine Träume wieder lebendig werden; dass die Liebe wieder neue Kraft erhält; Hoffnung für mich und diese Welt aufleuchtet und mein Glaube gestärkt wird. Jesus, der gute Hirte, führt mich zum frischen Wasser; sein Stecken und Stab trösten mich in all dem, was mich ängstigt und bedrängt über Leben und Tod hinaus. Träume können Wirklichkeit werden mit diesem Hirten.

Und wenn Sie, liebe Gemeinde, beim Krippenspiel genau hinschauen konnten, sahen Sie sicher, dass Maria ihren Stab ganz liebevoll und fürsorglich in ihren Armen hielt. Welche Gedanken und Gefühle mögen sie bewegt haben? „Maria“, so heißt es in der Weihnachtsgeschichte, „behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Ahnte sie bereits, was ihr Sohn alles durchmachen würde, wenn er Friedenskönig werden wird. Ahnte sie die Gewalt, die er erleiden muss. Ein Holz hielt unsere Maria im Krippenspiel in ihren Händen. Und am Holz sollte Jesus sein Leben beenden. „Verflucht ist der, der am Holze hängt!“, so hieß es zur damaligen Zeit. Jesus starb ganz unten. Das Holz in Marias Händen ist Sinnbild dafür.

Wie oft wollte Maria ihren Sohn vor diesem Schicksal bewahren. Aber vergeblich. Doch wie jede gute Mutter hielt auch Maria zu ihrem Kind, durch alle Tiefen hindurch. Sein Leben lang blieb sie mit ihm verbunden. Maria war es dann auch, die unter dem Holz stand, als ihr Sohn daran von aller Welt verschmäht starb.

Ach ja, liebe Gemeinde, wir können die ganze Weihnachtsbotschaft in diesem Holzstab wiederfinden. „Christ der Retter ist da“, so singen wir am Heiligen Abend. Der Stab ist Sinnbild für den Retter. Wenn es in diesem Winter doch noch frieren sollte und man sich auf das Eis des Wedendorfer Sees wagt, und es an einer Stelle nicht stark genug ist und man einbricht, wie gut wäre es dann, wenn da ein Helfer ist, ein Retter, der einem einen Stab hält, den man ergreifen kann.

Der Stab ist Sinnbild für die Rettung, für den Retter. „Christ der Retter ist da!“ Wenn ich mich in meinem Leben verrannt habe, ich unterzugehen drohe in so manchem Schlammassel, in Traurigkeiten und Versagen, dann muss ich meine Hand ausstrecken und den Stab ergreifen, der mir hingehalten wird. Zupacken muss ich schon selbst. Aber mit der Hilfe von außen kann die Rettung gelingen. Ich werde nicht untergehen weder im Leben noch im Sterben.

„Christ der Retter ist da!“

- Amen –

Stille Nacht, heilige Nacht; Nr. 6

 

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