Evangelische Kirchgemeinde Rehna - Kirch Grambow - Meetzen

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Start Ausgew. Predigten von Pastor Ortlieb Schlangen in der Bibel und bei uns

Schlangen in der Bibel

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(Passionszeit 2012)

 

Der Pastor hat eine Plüschschlange bei sich

Liebe Gemeinde,

von diesem Tier hier ist im heutigen Predigtwort sechs Mal die Rede.

Jeder von uns kennt das Tier, hat es schon einmal gesehen.

Es ist ein Tier, das Urängste in uns Menschen auslöst.

Im Hebräischen, also in der Sprache des Alten Testamentes, heißt Schlange: saraph und auch nachash. Man hört in diesen Namen schon die Bedrohlichkeit des Tieres heraus. Den Zischlaut – kurz vor dem Angriff: nachash

Schlangen ängstigen die Menschen bis auf den heutigen Tag. Ich kann mich an eine ABM-Kraft erinnern, die vor ein paar Jahren in Kirch Grambow gearbeitet hat. Ein großer starker Mann. An einem warmen Frühlingstag wollte er am Hang in unserem Garten einen Eimer Erde ausgießen. Doch plötzlich kam er nach vor an den Hof geschossen, seinen Eimer hatte er bereits weit von sich geschleudert. „Da sind Schlangen“, rief er zitternd, „Herr Pastor, da sind Schlangen. Ich geh da nie wieder hin.“

Was der arme Mann offenbar nicht wusste war, dass es sich bei diesen Schlangen um harmlose Ringelnattern handelte.

Von denen gibt es gerade jetzt im Frühjahr in unserem Garten reichlich zu entdecken. In der Frühlingssonne liegen sie und lassen sich an der Hauswand oder am Hang den langen Körper bescheinen. Wenn man ihnen zu Nahe kommt, dann zischeln sie und schlängeln bei noch mehr Nähe davon.

Gern besuche ich im Frühjahr die Stellen im Garten, wo ich diese Tiere entdecken kann.

Schlangen lösen in uns eine Faszination aus.

Bei einer Geburtstagsfeier einer 90-jährigen habe ich mich mit ein paar jungen Leuten unterhalten, die in Berlin wohnen. Sie sagten mir, sie hätten daheim eine Würgeschlange, die auch richtig gefährlich werden kann, wenn sie Hunger hat. Und es gäbe nicht wenige in Berlin, die sich ebenfalls Schlangen in der Wohnung halten.

Schlangen faszinieren und machen Angst. Das ist heute so. Und vor vielen tausend Jahren war es nicht anders. Nicht umsonst schlängelt sich die Schlange durch die Religionen der Alten Zeit, durch die Mythen des Orients.

Und auch in unserer Bibel entdecken wir die Schlange. Ganz am Anfang ist es die Schlange, die Eva verführt von dem Apfel zu essen. Und ganz am Ende der Bibel – im Buch der Offenbarung – wird der Teufel selbst, der Satan, als „die alte Schlange“ bezeichnet.

Die Schlange ist faszinierend. Als faszinierendes Tier wurde sie in der Versuchungsgeschichte zum Sinnbild für das Verführerische. Auf der anderen Seite ist die Schlange auch Sinntier für all das, was uns Angst macht. So gibt Jesus seinen Jüngern Macht, „auf Schlangen zu treten“ und „Schlangen mit den Händen hochzuheben“. Hier sind nicht unbedingt die physischen Schlangen gemeint, - die Tiere -, sondern all das, was uns Angst macht. Jesus will uns den Mut geben, unsere Ängste unter die Füße zu treten bzw. sie in die Hände zu nehmen und damit umzugehen. Welch eine Zusage!

Das Predigtwort heute ist also auch eine Schlangengeschichte. Sie führt uns in die Wüste zum Gottesvolk, das nach der Befreiung aus Ägypten jahrelang unterwegs war.

Wir hören 4. Buch Mose 21,4-9

„Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Ägypten geführt, damit wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise. Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.“

Spüren Sie das Gift der Schlange in dieser Geschichte? Sie hat ein leichtes Spiel. Das Volk war erschöpft. Ein Umweg musste gegangen werden hin zum Ziel. Das Land der Edomiter sollte nicht durchschritten werden, sondern umrundet. Also noch weiter laufen. Das Essen, das sie hier fanden auf der langen Wüstenwanderung, ekelte sie mittlerweile an.

Und das Volk murrte gegen Gott und Mose. „Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste?“

Das Klima war vergiftet.

Und auf einmal ist von feurigen Schlangen die Rede, die da kamen, zahlreich und das Volk stachen und viele starben. Gott hätte sie geschickt, heißt es in der Geschichte. Ja, es ist ja alles von Gott – geschaffen. So auch die Schlangen. Aber hat Gott die Schlangen geschickt oder waren sie einfach da oder kamen sie aus den Mündern, der Herzen des Volkes? Diese giftigen Schlangen, die das Volk aufstachelten gegen Gott und Mose?

Es ist schon eine schreckliche Situation, die da in der Wüste beschrieben wird. Die Schlangen herrschten, beherrschten alles. Menschen rannten, gerieten in Panik, schrien, hasteten, wurden gebissen und starben.

Wir kennen diese Schlangen auch aus unserem Leben, hier in unserer Zeit. Schlangen, die die Menschen mürrisch machen, bissig, gefährlich, heimtückisch gegen Mitmenschen und gegen Gott.

Faszinierend sind diese Schlangen, aber auch Angst verbreitend.

Wer von so einer Schlange gebissen wird, dem wächst mitunter eine gespaltene Zunge. Da wird vorn herum zu jemandem freundlich geredet. „Ach, Herta, was hast Du Deinen Garten aber schön im Griff. Du hast das alles so hübsch gemacht mit den kleinen Zwergen hier – wie niedlich.“ Wenn Herta dann weg ist, heißt es dann zum Dritten über sie hintenrum: „Herta hat aber ihren Garten verkitscht mit den Zwergen! Die hat aber kein Geschmack“

Gespaltene Zunge.

Neid und Habgier können so wie giftige Schlangen sein. Ich will immer mehr und mehr haben und bin nie zufrieden. Diese innere Schlange kann mich ganz und gar vergiften und auch das Miteinander.

Dann gibt es auch die giftige Schlange der Hoffnungslosigkeit und des Zweifels. Das ist eine Schlange, die eine lähmende Wirkung hat. Mitunter geht gar nichts mehr, wenn ich völlig hoffnungslos bin. Ich falle wie in ein finsteres Loch.

Wir kranken am Biss des Hasses. Das Gift dieser Schlange kann uns ganz rasend machen. Wir haben es in den letzten Tagen in den Medien verfolgen können, wie ein hasserfüllter Mensch wehrlose Kinder tötete und immer weiter machen wollte. Gebissen von der Schlange des Hasses.

Es gibt auch eine Schlange, die hat das Gift der Begierden in sich, und wer von ihr gebissen wird, ist ihr in Kopf und Händen verfallen.

Wir werden heimgesucht von den giftigen Schlangen der Lüge und der üblen Nachrede.

Die üble Nachrede geschieht heute auch durchs Internet. Das Gift dieser Schlange haben wir in der letzten Woche in den Medien mitverfolgen können. Hier wurde ein Jugendlicher vorverurteilt ein junges Mädchen getötet zu haben. Da hat sich sogar ein Mob gefunden vor dem Gefängnis, der ihn lynchen wollte. Üble Nachrede.

Faszinierend sind all diese Schlangen. Für diejenigen, die dem Jugendlichen alles Mögliche unterstellt haben und ihn lynchen wollten, kam das Gefühl hoch: endlich mächtig zu sein gegen jemanden, der in die Ecke gedrängt war.

Aber wir müssen gar nicht so weit weg sehen. Wir können auch bei uns bleiben. Es ist immer wieder faszinierend über andere übel zu reden. Das macht größer, man fühlt sich gut.

Aber diese Schlangen sind auch gefährlich, machen Angst und töten sogar. In Toulus die jüdischen Kinder.

Derlei Schlangen vergiften unsere Nachbarschaften im Ort. Lassen Menschen einsam werden. Sie schaffen Hass, Traurigkeit und Angst.

Das war schon ein großes Elend in der Wüste damals unter dem Volk Gottes, als sie von den Schlangen heimgesucht wurden.

Es ist schon eine große Not in unserem Land, in unserer Zeit, wo sich die feurigen Schlangen vermehren und um sich beißen.

In seinem Elend, in seiner Plage ob der Schlangen, ging das Volk der Israeliten zu Mose und bekannte: „Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme.“

Die Israeliten sehen in der Wüste ihre Fehler ein, benennen sie und wenden sich über Mose an Gott.

Doch Gott nimmt die Schlangen nicht einfach weg. Die Schlangen bleiben. Die Israeliten werden weiterhin gebissen.

Das kennen wir. Gott nimmt all das, was uns schmerzt, angreift und ängstlich macht – nicht einfach weg. So wohltuend realistisch ist die Bibel.

Stattdessen bekommt Mose den Auftrag eine eherne – also kupferne - Schlange zu bauen und sie hoch aufzurichten. Und jeder, der von den Schlangen gebissen wird, soll auf diese erhöhte Schlange schauen und am Leben bleiben.

Das klingt schon sehr magisch. Und tatsächlich haben die Kanaanäer, also die Ureinwohner der Gegend in die die Israeliten zogen, wohl ein Schlangenbildnis als magisches Zeichen gegen böse Kräfte verwandt. Das wurde hier aufgenommen – auf Gottes Geheiß.

Viele Jahrhunderte später, nachdem das heutige Predigtwort aufgeschrieben wurde, hatte man sich dieser alten Wüstengeschichte erinnert und auf Jesus Christus gedeutet. Im Johannesevangelium Kap 3,14 lesen wird: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“

Sie merken die Parallelen und die Abweichungen: 1. Wie die Schlange, so wird auch Jesus erhöht; das heißt für alle sichtbar, wichtig - erhöht.

2. In der Wüste müssen die Israeliten auf die erhöhte Schlange sehen. Im Johannesevangelium heißt es glauben. Und 3.: In der Wüste geht es ums Weiterleben trotz des Schlangenbisses, aber das Johannesevangelium spricht vom ewigen Leben.

„Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“

Was heißt das für uns heute?

Wenn uns die Schlangen Hass, Neid, Hoffnungslosigkeit, Begierde, Lügen, üble Nachreden und wie sie alle heißen mit ihren Faszinationen verführen wollen oder es bereits getan haben, dann sollen wir zum Gekreuzigten schauen. Er will uns die Richtung im Leben vorgeben, die Richtung, die immer wieder nach der Liebe fragt und sie leben will. „Leg alles ab, was dich von der Liebe trennt“ will der Erhöhte uns sagen.

Und wenn uns die giftigen Schlangen gebissen haben und wir unter der üblen Nachrede anderer Menschen leiden, unter Hass und Neid, auch dann lassen Sie uns auf den Erhöhten blicken. All dieses Leiden kennt er auch und trägt es mit uns.

Wenn wir auf den Erhöhten am Kreuz schauen, dann haben wir nicht nur das Leben, sondern das ewige Leben.

- Amen -

 

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