Evangelische Kirchgemeinde Rehna - Kirch Grambow - Meetzen

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Hochzeit WedendorferSee

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Liebe Hochzeitsgäste,

zur Hochzeitsfeier sind wir geladen. Zwei Gemeinden sagen „Ja“ zueinander. Einen gemeinsamen Familiennamen gibt es auch: Wedendorfersee – zusammen geschrieben.

Die staatliche Eheschließung ist schon erfolgt. Und ich freue mich natürlich als Pastor der Gemeinden darüber, dass auch der kirchliche Segen bei diesem Paar nicht fehlen soll. So gehört sich das auch.

Ist es eine Liebesheirat?

Man kann ja immer schlecht ins Herze sehen. Fakt ist jedenfalls, dass der Anlass der Hochzeit rein wirtschaftlicher Natur ist. Denn wären beide Hochzeitsleute allein geblieben, dann hätte jeder für sich am Ende weniger im Portmannaise gehabt. Also eine Vernunfthochzeit.

Also nun rümpfen Sie doch nicht gleich die Nase. Das mit den romantischen Liebeshochzeiten ist ja auch immer so eine Sache. Wir wissen ja, wie lange die halten. Jede dritte Ehe wird heute geschieden.

Lange Zeit war es gerade auf dem Land selbstverständlich, dass nach vernünftigen Gründen für eine Ehe gesucht wurde. Da schaute man danach, welche Bauernstelle passt mit welcher zusammen. Ist der Bräutigam auch geeignet, die große Wirtschaft, die er durch die Hochzeit erhält, zu bewirtschaften. Wird die zukünftige Bäuerin den Hausstand auch zusammenhalten. Meine Urgroßeltern haben noch nach solchen Kriterien geheiratet. Und ihre Ehe lief gut.

Auch die Brautleute Wedendorf und Köchelstorf geben ein vernünftiges Paar ab. Da ist die räumliche Nähe um den See herum. Die Gesamtgemeinde wird nicht allzu groß. Vieles, was man hat, kann man gemeinsam nutzen. Bereiche der Zusammenarbeit gibt es bereits; wie die Feuerwehr z.B.. Da kann man ne Menge Geld einsparen und das bedeutet doch letztendlich, dass mehr im Portmanaise ist.

Also erscheint eine Hochzeit dieser beiden Brautleute als sinnvoll und gut. Und ich ahne, dass es bereits mehr und mehr zärtliche Anbandlungen zwischen den beiden gibt. Verdeckt noch oder ganz offensichtlich.

Und – Liebe kann wachsen.

Nun werden Sie sich vielleicht denken: Na ja, da hat der Pastor sich wohl in seinem Bild vergallopiert. Liebe zwischen den Gemeinden? Das ist wohl nicht der rechte Ausdruck. Liebe, das hat doch eher etwas mit Erotik zu tun und so. Wer liebt hat eine rosarote Brille auf und sieht pinkfarbene Wolken, hört tausend läutende Himmelsglocken und läuft auf endlosen Teppichen aus Rosenblättern, hat ein ewiges Glücksgefühl und vernimmt sphärischer Gesang. Da ist der Zusammenschluss von zwei Gemeinden doch eher ein nüchternes Geschehen. Und hat doch wohl mit Liebe nichts zu tun.

Da würde ich doch sehr widersprechen. Ein großer Philosoph des 20. Jahrhunderts, Erich Fromm, hat einmal einen Satz geprägt, den ich gerade im Zusammenhang mit Hochzeiten – auch Gemeindehochzeiten – sehr wichtig finde: „Liebe ist Arbeit“ Die Kunst des Liebens zu beherrschen erfordert genauso viel Arbeit und Mühe wie das Beherrschen irgendeiner anderen Kunst. Ja, Liebe muss man lernen. Zum Erlernen der Liebeskunst gehören Disziplin, Konzentration und Geduld. Liebe ist die Quelle des Lebens. Die Kernaussage des Philosophen lautet: Die Vorraussetzung dafür, Lieben zu können, ist die Entwicklung der ganzen Persönlichkeit.

Liebe ist also kein duhseliges oder wunderschönes Gefühl, sondern Arbeit vor allen Dingen an mir selbst.

Und jeder der verheiratet ist und seine Frau oder seinen Mann nach 16, 40 oder 50 Jahren immer noch liebt, wird es bestätigen können. Zur Liebe gehört auch viel Arbeit und Mühe.

Ich muss mich darum bemühen, den anderen wahr zu nehmen, so wie er ist. Ich muss mich in Toleranz üben, darauf acht haben, was ihm oder ihr gut tun, was gerade im Moment gebraucht wird. Aufmerksam muss ich sein, fair, ehrlich, bereit sein zu vergeben. Ich muss mich auch selbst beherrschen. Dann kann Liebe in einer Ehe gelebt werden und wachsen.

Wenn ich Liebe so verstehe – auch als Arbeit – dann leuchten mir die Worte von Jesus ein. Außerdem möchte er, dass wir unsere Liebe nicht allein auf unsere Ehepartner beschränken, auf die Kinder und andere Familienmitglieder.

Von ihm stammt der Satz: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst.“

Der Nächste ist gerade der, der mir über den Weg läuft, mein Nachbar, jemand, der Hilfe braucht, oder die Familie im Nachbardorf.

Wenn die beiden Gemeinden Wedendorf und Köchelstorf heute also heiraten, dann bedeutet das, dass wir aufeinander acht haben, fair miteinander umgehen, auf das Wohl auch der anderen bedacht sind, Vorteile – wie z.B. eine mögliche Überzahl von Gemeindevertretern bestimmter Dörfer im Gemeinderat - nicht ausnutzen.

All das ist Arbeit, wenn man will, kann man es auch Liebe nennen.

Und Arbeit macht Spaß und ist beglückend. Jeder von uns, der zu Hause einen Garten hat oder Vieh, der weiß das ja. So ist es auch bei der Arbeit Liebe – auch sie ist beglückend und bereichernd.

Und zu einer Ehegemeinschaft gehört auch ein zu Hause. Das zu Hause der Eheleute Wedendorfersee erstreckt sich über die Dörfer Benzin, Köchelstorf, Groß Hundorf, Kirch Grambow, Wedendorf und Kasendorf. Ein schönes zu Hause haben die beiden Hochzeitspartner in der leicht hügeligen Landschaft, mit den Feldern, Baumgruppen, den Wedendorfer See umschließend.

Jeder teilt sich sein zu Hause nach seinen Möglichkeiten ein. Da gibt es die Küche. Hier wird gewirtschaftet. Da sollte man möglichst alles praktisch einrichten: Die Wege müssen hier eben und gerade sein.

Und da gibt es die gute Stube. Nicht wenige haben in ihrer guten Stube noch so manches Erbstück stehen. Ein Erinnerungsbild eventuell und davor eine Kerze. Kostbarkeiten.

Hier – in der guten Stube muss nicht alles so praktisch eingerichtet sein.

Hauptsache schön und gemütlich, auch um in sich gehen zu können.

Die Eheleute Wedendorfersee haben in ihrem zu Hause auch eine gute Stube. In der guten Stube ist der Ort, an dem man sich in besonderer Weise an die Menschen erinnern kann, die einmal zu einem gehörten, die man liebte. Besondere Kostbarkeiten findet man hier: Erbstücke, die 200 Jahre und älter sind. Ein besonderes Erbstück ist sogar über 700 Jahre alt. Es erzählt von den Menschen, die einmal hier lebten, in der heutigen Gemeinde Wedendorfersee. Es erzählt aber auch von jemandem, dem wir unser gesamtes Leben zu verdanken haben, zu dem wir wieder zurückkehren werden. Dieses Erbstück erinnert uns bis in große Tiefen hinein.

Ich freue mich darüber, dass die Eheleute Wedendorfersee – neben dem Wirtschaftsraum, der Küche, dem Spielplatz für Klein und Groß - in ihrem zu hause auch eine gute Stube haben mit besonderen Kostbarkeiten.

- Amen -

 

 

Hinweis:  Fotos vom Gottesdienst finden Sie im Menü "Die Kirchgemeinden".

 

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